Mittwoch, 23.05.2018
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Elektro(nik)-Altgeräte nicht ins "Aus" drängen

bvse kritisiert die fortschreitende Chemisierung des Abfallrechts

Rund 1,2 Mio. Tonnen Kunststoffe werden in Europa jährlich aus Elektro(nik)-Altgeräten (EAG) gesammelt. Doch obwohl der so gewonnene Sekundärrohstoff in erheblichem Maß zur Einsparung von CO2-Emissionen, Energie und Primärressourcen beiträgt, wird er durch die fortschreitende Chemisierung des Abfallrechts in einer Flut von Auflagen und Gesetzen zunehmend in die Ecke der Gefährlichkeit – und damit „ins Aus“ gedrängt.
„Dies geschieht völlig zu Unrecht“, monierte der Recycling-Experte der Müller-Guttenbrunn Group, Chris Slijkhuis, auf dem Elektro(nik)-Altgerätetag des bvse in Nürnberg.
Die Verwertungsindustrie von EAG-Kunststoffen liefert wertvolle Sekundärrohstoffe. Gegenüber der Produktion von Neuware wird dabei bis zu 90 Prozent weniger Energie eingesetzt. „Noch größer sind die Einsparungen von klimaschädlichem CO2. Bei einer Materialausbeute von ca. 60 Prozent werden im Recyclingprozess rund 2,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr weniger ausgestoßen. Dies entspricht den Emissionen einer Stadt mit 330.000 Einwohner“, erklärte Slijkhuis.
Doch trotz der guten Umweltbilanz werden Kunststoffe aus elektrischen Geräten zunehmend unter den Generalverdacht gestellt, gefährlich zu sein. In der Diskussion für die Einstufung als gefährliche Abfälle stehen momentan u. a. bromierte Flammschutzhemmer, die dort eingesetzt werden, wo sich potenzielle Hitzequellen befinden – also auch in Elektrogeräten.
 
„EAG-Kunststoffe müssen nur richtig gesammelt und verwertet werden, dann können sie als Recyclingwerkstoffe unbedenklich eingesetzt werden. Flammhemmer werden in den modernen Recyclingprozessen in einer separaten Schadstoffentfrachtungsstufe unter Beachtung der Vorgaben der WEEE-Richtlinie gesetzeskonform abgetrennt und ohne Gefahr für Mensch und Umwelt vernichtet. Für das ebenfalls ins Visier der Behörden geratene Element Brom gibt es dabei noch nicht einmal einen Hinweis auf gesundheitsgefährdende POP-Merkmale für langlebige Schadstoffe“, so der Recyclingexperte.
 
„Die Verwertung von EAG-Kunststoffen ist gut und sinnvoll, doch immer weniger Unternehmen sind bereit, in diese Industrie zu investieren. Die zunehmend komplexer werdenden Gesetze und hohen Auflagen auf europäischer und nationaler Ebene lassen nicht nur den Bürokratisierungsgrad immer weiter ansteigen, sie beschränken darüber hinaus zunehmend den freien Zugang zu Märkten und stehen somit der Kreislaufwirtschaft insgesamt im Weg“, kritisierte Chris Slijkhuis.
 
Quelle: EM / bvse


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