Sonntag, 17.12.2017
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Editorial: Ein Blick vor und zurück

35 Jahre ENTSORGA-Magazin. Das ist wahrlich ein guter Anlass, sich feiern zu lassen. Zu dem obligatorischen Blick in die Vergangenheit gehört auch der in die Zukunft.
Foto: B.Weidlich(10.10.2017) Prof. Dr. Martin Faulstich, ehemaliger Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen, hat das ebenso unnachahmlich und treffend gemacht, wie Prof. Dr. Helmut Maurer von der Europäischen Kommission mit seiner sehr persönlichen und kritischen Sichtweise über die Kreislaufwirtschaft.
Ergänzend hierzu Dirk Wiegands Blick auf die Entwicklung der Entsorgungslogistik der letzten Jahrzehnte. Alle drei Autoren bereichern unsere Jubiläumsausgabe ebenso wie die drei wohlwollenden Grußworte der Verbände BDE, bvse und VKU. Allen genannten und ungenannten Autoren sei zunächst einmal Dank ausgesprochen für ihre fundierten und klaren Analysen der Entsorgungswirtschaft.
Klarheit und Strategie haben wir in diesen Tagen mehr als nötig. Was sich wenige Tage vor der Bundestagswahl andeutete und nach der Wahl bestätigte, ist die Strategie einer Partei, die nun erstmals auch im Bundestag vertreten ist und der immerhin 12,6 Prozent aller Deutschen ihre Stimme geschenkt haben. In der fachlichen Auseinandersetzung zeigt diese Partei, was wirklich in ihr steckt: Nichts als heiße Luft und Ignoranz naturwissenschaftlicher Zusammenhänge.
Schlimm genug, dass das Wahlprogramm den Ausstieg aus dem Kernkraft-Ausstieg propagiert und den Klimawandel in Zweifel zieht. Wie es der guten demokratischen Tradition geziemt, haben sich mehrere Verbände und Vereinigungen die Mühe gemacht, vor der Wahl in Umfragen und mittels Fragenkatalog bei den Parteien deren Kernpunkte herauszuarbeiten. Viel Konstruktives und Erhellendes ist dabei herausgekommen, zum Beispiel bei der Umfrage der Arbeitsgemeinschaft stoffstromspezifischer Abfallbehandlung (ASA). Besonders erhellend war die Antwort der AfD: „...dass Antworten zu konkreten abfallwirtschaftlichen Fragen aus dem Wahlprogramm nicht abzuleiten sind.“ Man erwarte Verständnis dafür, dass eine neue Partei hier noch Lücken hat.
Diesen „Mut zur Lücke“ bewies diese Partei auch bei der fundierten Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V. (DGAW). Trotz mehrfacher Nachfrage des Verbandes blieb die Partei um den Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland eine Antwort schuldig. Gleiches galt auch für die Umfrage von „Reporter ohne Grenzen“ zur Weiterentwicklung des Informationsfreiheitsgesetzes und zur digitalen Überwachung. Und die fachliche Unkenntnis des Fraktionsvorsitzenden in den letzten TV-Diskussionsrunden war erschreckend. Da hätte eigentlich nur die Flucht aus dem Studio geholfen. Das ENTSORGA-Magazin wird auch künftig die Politik genau verfolgen, Entscheidungen einer wie auch immer bunt gesprenkelten Regierung kommentieren und hinterfragen. Die Redaktion wird auch weiterhin objektiv, neutral und unabhängig über Unternehmen und Verbände berichten und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Sie uns dreieinhalb Jahrzehnte die Treue gehalten haben, ein fundiertes Sprachrohr der Branche sein. Wir werden auch weiterhin denjenigen ein Podium bieten, die subjektiv, aber fachlich fundiert ihre persönliche Position zu Fragen der Kreislaufwirtschaft und zu Fragen der Energiewende kundtun. Das Ihnen vorliegende Jubiläumsheft soll dafür ein gutes Beispiel sein. In diesem Sinne freuen wir uns immer über Anregungen und konstruktive Kritik aus den Reihen der Leserschaft. Und wir freuen uns auf noch ganz viele runde Jubiläen, die wir mit Ihnen zusammen feiern wollen.
 
Martin Boeckh
Leitender Redakteur


Autor: Martin Boeckh 
 
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